Männlichkeit als Passion

Rodolfo Valentino hat nie an Faszination verloren. Bis heute gilt er als Inbegriff des Latin Lover. Der von seiner Familie verstoßene Einwanderer aus Apulien, einer der ärmsten Regionen Italiens, setzte im Kino der 1920er Jahre Maßstäbe für Maskulinität. Als erotisches Symbol forderte er die kollektive Eifersucht amerikanischer Männer heraus, was zu seinem frühen Tod mit 31 Jahren führte.

In New York und Hollywood, den Zentren der Filmindustrie, hatte Valentino teil an märchenhaften Aufstiegsmöglichkeiten. Sein flamboyanter Lebensstil, sein Umgang mit großen Regisseuren und Stars, Beziehungen zu Berühmtheiten der Bühne, der Literatur, des Sports und der Finanzwelt trugen zur Legendenbildung bei. Doch als Valentino sich in der expandierenden Filmindustrie und vor einem Massenpublikum als Künstler behaupten und Einfluss auf seine Rollen als Scheich oder Torero nehmen wollte, kam das einer Kriegserklärung an die mächtigen Studiobosse gleich. Gemeinsam mit seiner Frau, der Tänzerin Natacha Rambova, etablierte er – jenseits der üblichen Komiker, Westernhelden und Salonlöwen – einen neuen Männertypus: den romantischen Liebhaber.

Valentinos Aufstieg aus tiefster Armut zum Idol wurde von persönlichen und beruflichen Katastrophen begleitet. Die Verwicklung in einen Mord- und Bigamieprozess, Unfälle, das Scheitern seiner Ehe, Schulden und Verleumdungen gehörten dazu. Im Sommer 1926 machte ein anonym bleibender Journalist ihn für die „Feminisierung amerikanischer Männer“ verantwortlich und verdächtigte ihn der Homosexualität – im damaligen Amerika ein tödlicher Vorwurf. Valentino überlebte die Kampagne nur um wenige Wochen und starb am 23. August 1926. Sein Grab in Hollywood ist heute noch ein Wallfahrtsort.

Rodolfo Valentino


Rodolfo Valentino
Biografie
Europäische Verlagsanstalt
Hamburg 2003
371 S., Ill.
ISBN 3-434-50549-0